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Das Rätsel Kommunikation

karstenhartdegen
vor 11 Stunden
35 Min. Lesezeit

Verständigung als Übungsfeld der Freiheit

 

Stoa, Kommunikationstheorie, KVT, Dröscher und Covey zwischen Missverständnis und Wohlwollen

 

„Die Menschen werden nicht von den Dingen beunruhigt, sondern von den Meinungen über die Dinge." (Epiktet, ca. 108 n. Chr./2014, Abschn. 5)

„Entferne das Urteil ‚Ich bin geschädigt worden', und der Schaden ist entfernt." (Marc Aurel, ca. 170 n. Chr./2008, Buch 4, Abschn. 7)

 

1. Einleitung: Das Wort, das den Mund verlässt

Ein gesprochenes Wort verhält sich wie eine Münze, die die Hand verlassen hat: In dem Augenblick, in dem es den Mund verlässt, gehört es nicht mehr der sprechenden Person, sondern der Welt, mit allem, was die Welt daraus macht. Kommunikation gilt gemeinhin als selbstverständliche Fähigkeit. Wir sprechen, wir schreiben, und es scheint, als verstünden wir einander. Bei näherer Betrachtung erweist sich das Gelingen von Verständigung jedoch als ein erstaunlich fragiles, ja rätselhaftes Unterfangen. Was eigentlich geschieht, wenn wir einander verstehen? Und warum misslingt es so häufig, obwohl alle Beteiligten den guten Willen dazu mitbringen?

Die Kommunikationswissenschaft des 20. Jahrhunderts hat dieses Rätsel mit beeindruckender Präzision beschrieben. Auffällig ist dabei, dass viele ihrer zentralen Einsichten strukturell dem antiken Stoizismus verwandt sind, der seinerseits eine Theorie des rechten Umgangs mit Worten, Urteilen und zwischenmenschlicher Verständigung entwickelte. Die gegenwärtige Wiederentdeckung der Stoa hat diese Verwandtschaft erneut sichtbar gemacht (Gill, 2022; Sellars, 2019), und die philosophiehistorische Forschung hat die Bezüge zwischen Stoizismus und kognitiven Therapieansätzen herausgearbeitet, ohne beides vorschnell gleichzusetzen (Robertson, 2020).

Der vorliegende Beitrag unternimmt den Versuch, beide Perspektiven zusammenzuführen, sie um die praktische Weisheit Stephen Coveys, um die Kognitive Verhaltenstherapie und um die zeitgenössische literarische Betrachtung Daniela Dröschers zu ergänzen und das Rätsel Kommunikation aus stoischer Sicht zu entfalten. Dabei bleibt es nicht bei der Theorie: Eine durchgehend fiktive Fallsituation aus dem beruflichen Alltag, ein nüchterner Überblick über die aktuelle empirische Beweislage sowie sechs sehr konkrete Übungen zeigen, wie die stoische Kommunikationshaltung im Alltag trainiert werden kann.

Die Kernthese lässt sich prägnant formulieren: Das Gelingen von Kommunikation steht nur teilweise in unserer Macht. Das Urteil über die Worte des Gegenübers steht vollständig in unserer Macht. Zwischen dem, was ein Mensch sagt, und dem, was die andere Person daraus macht, liegt das Urteil, und dieses Urteil ist das Einzige in allem Geschehen, das vollständig das eigene ist. Wer diese Stelle gefunden hat, hat den Ort seiner Freiheit gefunden.

Diese Freiheit verlangt jedoch jene doppelte Bewegung, die Hartdegen (2026) als Zusammenspiel von Einfühlen und Ausfühlen beschreibt: Empathie öffnet den Blick für die Erlebniswelt des Gegenübers, Ekpathie schützt davor, fremde Gefühle ungeprüft in das eigene Erleben zu übernehmen. Beide Fähigkeiten sind keine Gegensätze, sondern komplementäre Funktionen eines integrierten Selbststeuerungssystems. Verständigung braucht deshalb Resonanz und Abgrenzung zugleich: die Bereitschaft, sich berühren zu lassen, und die Fähigkeit, im eigenen Urteil selbstbestimmt und handlungsfähig zu bleiben.

 

2. Theoretische Grundlagen: Das Gelingen, das niemand garantieren kann

Ein klassischer Merksatz der Kommunikationstheorie lautet: Man kann nicht nicht kommunizieren (Watzlawick et al., 1969). Schon das Schweigen teilt etwas mit, schon die Miene, schon die Abwesenheit einer Antwort. Kommunikation ist kein optionaler Akt, sondern eine conditio humana und zugleich ein Vorgang, der sich der unmittelbaren Kontrolle der Beteiligten entzieht. Sie ist ein rekursiver, sich selbst verstärkender oder korrigierender Prozess, in dem Mitteilung, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell untrennbar ineinanderwirken (Schulz von Thun, 1981). Jede Botschaft ist gleichzeitig ein Bericht über die Sache, eine Offenbarung der sendenden Person, eine Aussage über die Beziehung und ein Appell an die empfangende Person. Wer nur eine dieser vier Seiten hört, versteht die Botschaft bereits nur unvollständig.

Die Zeichentheorie hat dieses Missverständnispotenzial noch präziser gefasst: Kommunikation beruht auf dem Dreieck von Ausdruck, Appell und Darstellung (Bühler, 1934). Sie vermittelt zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten, zwischen Mitteilung und Bedeutung, und diese Vermittlung ist grundsätzlich fehlbar, denn die Zuordnung von Ausdruck und Bedeutung ist keine natürliche, sondern eine kulturelle, situationsabhängige und damit störanfällige. Die pointierte Zuspitzung der modernen Theorie lautet daher: Das Zeichen ist nicht die Sache, das Wort nicht der Gedanke, und doch leben wir in der Kommunikation so, als wären sie es. Die empfangende Person interpretiert die Bedeutung einer Botschaft vor dem Hintergrund eigener Begriffe, Erfahrungen und situativer Bedingungen. Was verstanden wird, muss deshalb nicht mit dem übereinstimmen, was die sendende Person gemeint hat (Watzlawick, 1976).

Die aktuelle Forschung hat dieses Rätsel vor allem für die digitale Kommunikation präzisiert. Eine Studie zur E-Mail-Kommunikation am Arbeitsplatz zeigt, dass negativ wahrgenommene Nachrichten von Empfangenden stärker negativ eingeschätzt werden als von außenstehenden Beurteilenden. Dieser Effekt war insbesondere bei ungünstigen Kommunikationsklimata und in hierarchisch abhängigen Konstellationen ausgeprägt (Sillars & Zorn, 2021). Eine aktuelle Studie relativiert zugleich die Annahme eines generellen Missverständnisproblems: In den untersuchten Situationen stimmten die Einschätzungen des Tons schriftlicher Nachrichten bei Sendenden und Empfangenden häufig überein (Pollmann & Roos, 2025).

Das Risiko des Missverstehens ist damit real, aber es ist keineswegs als allgemeine Fehlleistung der Kommunikation zu verstehen. Das Rätsel liegt nicht in einer durchgängigen Störung, sondern in der ungleichen Verteilung des Risikos: Die einzelne Botschaft kann jederzeit zu den wenigen misslingenden Fällen gehören, und beide Seiten fühlen sich ihrer Deutung stets sicher. Genau hier setzt der Stoizismus an, und genau hier hat er eine rund zweitausend Jahre ältere, bemerkenswert kompatible Antwort.

Empathie bezeichnet in diesem Zusammenhang sowohl die gedankliche Perspektivübernahme als auch die gefühlsmäßige Resonanz auf den Zustand eines anderen Menschen. Gerade diese Resonanz erleichtert Verstehen, kann ohne Regulation aber in emotionale Ansteckung und empathischen Distress umschlagen. Ekpathie meint demgegenüber keine Gefühlsausblendung, sondern einen bewussten, gedanklich gesteuerten Prozess des Ausfühlens: Die Lage des Gegenübers wird weiterhin präzise erfasst, während dessen Gefühlszustand nicht zum eigenen wird. Hartdegen (2026) veranschaulicht dieses Verhältnis mit der Atmung: Empathische Öffnung gleicht der Einatmung, ekpathische Entkopplung der Ausatmung. Ausschließliche Empathie kann überfluten; isolierte Ekpathie kann in Distanz und Entfremdung führen. Seelisches Gleichgewicht entsteht im beweglichen Wechsel beider Fähigkeiten.

 


3. Die stoische Landkarte: Was in unserer Macht steht und was nicht

Das Fundament der stoischen Anthropologie bildet die berühmte Dichotomie der Herrschaft. Epiktet eröffnet sein Handbuch mit der Unterscheidung zwischen dem, was „bei uns" liegt (eph' hēmin), und dem, was sich unserer Verfügung entzieht. In unserer Macht stehen Urteil, Bestreben, Begehren und Abneigung, kurz alles, was das Unsere ist. Nicht in unserer Macht stehen Körper, Besitz und Ruf, alles also, was nicht das Unsere ist (Epiktet, ca. 108 n. Chr./2014, Abschn. 1). Wer die Aufmerksamkeit auf das richtet, was nicht in der eigenen Macht steht, verliert die Freiheit. Wer sie auf das eigene Urteil richtet, gewinnt sie zurück. Es wäre jedoch ein schweres Missverständnis, hierin einen Rückzug ins Innere zu sehen: Die neuere Forschung betont, dass diese Dichotomie eine Handlungslehre ist, ein lebenslanges Training vernünftiger, sozialer und affektiver Selbstformung (Gill, 2022; Schriefl, 2024; Sellars, 2019).

Die Kommunikation liegt nun bemerkenswerterweise genau auf der Bruchlinie dieser Dichotomie. Die stoische Psychologie beurteilt den Menschen allein nach dem inneren Vermögen des Urteilens und Wollens, der prohairesis (Epiktet, ca. 108 n. Chr./2014; zur systematischen Darstellung vgl. Schriefl, 2024). Der ganze Bereich zwischen dem inneren Urteil und der mitgeteilten Botschaft, also Worte, Töne, Gebärden und Briefe, gehört dagegen in die Sphäre der äußerlichen Dinge: Sie können gelingen oder misslingen, verstanden oder missverstanden werden, und darüber verfügt die sprechende Person nur begrenzt. Die Worte verlassen den Mund und gehören danach bereits der Welt an, mit all ihrer Unberechenbarkeit. Das Urteil über diese Worte jedoch, das Urteil der sprechenden wie das der hörenden Person, bleibt vollständig in der Macht eines jeden Menschen. Damit ist die stoische Grundfrage an jedes Gespräch formuliert: Welcher Teil dieser Kommunikation ist meines, und welcher ist nicht meines?

 

4. Das Missverständnis als Normalfall: Der Weg vom Urteil zur Vermutung

Kommunikationstheoretisch gesehen ist ein Missverständnis zwischen der sprechenden und der hörenden Person strukturell jederzeit möglich und nie vollständig auszuschließen. Die eine Seite wählt Zeichen, um eine Intention auszudrücken. Die andere interpretiert diese Zeichen vor dem Hintergrund einer eigenen, unvermeidlich anders gearteten Welt aus Begriffen und Erfahrungen (Bühler, 1934). In der philosophischen Sprachkritik ist diese Grundkonstellation wiederholt als unhintergehbares Merkmal von Sprache beschrieben worden.

Der Stoizismus erlaubt nun eine bemerkenswert präzise Antwort auf dieses strukturelle Missverständnispotenzial. Ein fehlgegangenes Gespräch, ein verletztes Gefühl, ein Missverständnis im beruflichen Kontext: All das ist in der stoischen Landkarte zunächst keine Katastrophe, sondern ein äußeres Ereignis, auf das mit einem Urteil reagiert wird. Das eigentliche Problem liegt also nie in der Störung selbst, sondern in der Weise, wie sie bewertet wird. Marc Aurel, der als römischer Kaiser in einem dauerhaft kommunikativen Amt agierte, hat diese Einsicht zur praktischen Regel für den Umgang mit schwierigen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern verdichtet: Die Kränkung entsteht nicht im Wort des Gegenübers, sondern im Urteil darüber, und dieses Urteil kann in jedem Augenblick zurückgenommen werden (Marc Aurel, ca. 170 n. Chr./2008, Buch 4, Abschn. 7). Hier zeigt sich eine Parallele zu kommunikationstheoretischen Ansätzen, nach denen die Bedeutung einer Botschaft nicht allein durch die Absicht der sendenden Person festgelegt ist, sondern im Verstehen des Gegenübers mitgeprägt wird (Watzlawick, 1976). Der Stoizismus hat diese Zentrierung auf die empfangende Person jedoch nicht nur beschrieben, sondern ethisch gewendet: Sie ist der Ort der Freiheit. Das Missverständnis ist nicht der Feind der Kommunikation, sondern ihr ständiger Begleiter, und die stoische Frage lautet nicht, wie es sich eliminieren lässt, sondern wie sich ihm mit Gelassenheit, Klarheit und Wohlwollen begegnen lässt.

Genau diese Wendung vollzieht Daniela Dröscher in ihrem Essay Sprechen. Ihr Ausgangspunkt ist nicht eine abstrakte Kommunikationstheorie, sondern die eigene Sprechbiografie: Als Kind einer zugezogenen Mutter wächst sie im Hunsrück zwischen Hochdeutsch und regionalem Dialekt auf. Sprechen wird dadurch früh zu einem Zeichen der Zugehörigkeit und zugleich zu einem Risiko des Ausschlusses. Die Frage, wie sie spricht, ist für sie immer auch die Frage, ob sie dazugehört, ob sie den richtigen sozialen Code beherrscht und ob ihre Worte als klug und angemessen gelten. In späteren Bildungszusammenhängen verschärft sich diese Unsicherheit zum Gefühl, keinen Fehler machen zu dürfen. Aus Angst vor Blamage, Entlarvung oder Missverständnis wird Schweigen. Dröscher beschreibt Sprechen deshalb als Form der Selbstbehauptung und ihre Entwicklung von der schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau als Emanzipationsprozess. Wer spricht, macht nicht nur Informationen verfügbar, sondern tritt aus sich heraus, zeigt Gefühle, Herkunft und Verletzlichkeit und setzt sich fremden Bewertungen aus. Gerade deshalb ist das Erheben der eigenen Stimme für Dröscher ein Akt der Mündigkeit (Dröscher, 2026; NDR Kultur, 2026; radioeins, 2026).

Vor diesem Hintergrund erhält das Missverständnis bei Dröscher einen doppelten Sinn. Es ist zunächst unvermeidliches Risiko: Gesprochene Worte sind flüchtig und entziehen sich nach ihrer Äußerung der Kontrolle der sprechenden Person, können aber zugleich nachhaltige Wirkungen entfalten und verletzen. Verstehen ist daher niemals automatisch gesichert. Nach Dröscher ist das Missverständnis eher Regel als bloße Ausnahme und muss als Möglichkeit in jedes Gespräch einkalkuliert werden. Doch gerade die Anerkennung dieser Fehlbarkeit kann produktiv werden. Wer mit der Möglichkeit rechnet, selbst falsch gehört oder ungenau gesprochen zu haben, muss die erste Deutung nicht absolut setzen. Das Missverständnis fordert dazu auf, das eigene Hören zu überprüfen, die eigene Formulierung zu präzisieren und Schlag- oder Reizworte beiseitezustellen. „Bereitschaft zum Missverstehen" bedeutet bei Dröscher daher nicht Gleichgültigkeit gegenüber Genauigkeit, sondern den Verzicht auf die Illusion, Verständigung lasse sich erzwingen oder ein für alle Mal absichern. Sie schafft die Haltung, in der Korrektur, Nachfrage und ein neuer Gesprächsversuch möglich werden (Hanser Berlin, 2026; WDR 5, 2026).

Aus dieser Einsicht entwickelt Dröscher eine Ethik des Gesprächs. Ihr Schlüsselbegriff ist Wohlwollen: Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sollen nicht zuerst den Unterschied, den Fehler oder das Reizwort suchen, sondern die mögliche Verbindung. Wohlwollen heißt dabei weder Zustimmung noch beschönigende Umdeutung. Es ist vielmehr ein hermeneutischer Vorschuss: Die eigene Lesart bleibt vorläufig, und das Gegenüber erhält die Gelegenheit, Gemeintes zu erläutern, zu korrigieren oder neu zu formulieren. Dazu gehören Pausen und die Erlaubnis, Fehler zu machen, denn die Angst vor Bewertung kann Menschen zum Verstummen bringen. Ebenso wichtig ist für Dröscher die Rolle der Gefühle. Sie sind dem reflektierten Denken häufig vorgängig und prägen, was gesagt und wie gehört wird. Gute Kommunikation verlangt deshalb auch emotionale Bildung, also die Fähigkeit, eigene Affekte wahrzunehmen, ohne sie vorschnell mit der Wahrheit über das Gegenüber gleichzusetzen. Zugleich knüpft Dröscher gelingendes Sprechen an Mündigkeit und an eine „Liebe zur Dialektik": Die Beteiligten sollen den eigenen Verstand gebrauchen, sich ein Urteil bilden und dieses dennoch im Austausch prüfen. In entscheidenden Situationen muss dafür das eigene Ego zurücktreten. Erst wenn nicht Selbstbehauptung um jeden Preis, sondern Kooperation den Vorrang erhält, kann Sprechen im Kleinen wie im gesellschaftlichen Raum verbinden (Dröscher, 2026; Hanser Berlin, 2026; WDR 5, 2026).

Gerade an dieser Stelle lässt sich Dröschers Gesprächsethik mit Ekpathie verbinden. Ihr Wohlwollen verlangt empathische Offenheit: Das Gegenüber soll in seiner möglichen Verletzlichkeit, Herkunft und inneren Logik wahrgenommen werden. Ihre Forderung nach emotionaler Bildung enthält zugleich ein ekpathisches Moment, denn eigene und fremde Affekte dürfen nicht vorschnell mit der Wahrheit über die Gesprächssituation gleichgesetzt werden. Die „Bereitschaft zum Missverstehen“ schafft hierfür den notwendigen Abstand: Wer die erste Lesart nicht absolut setzt, muss weder die vermutete Abwertung noch die emotionale Spannung des Gegenübers ungeprüft übernehmen. Ekpathie ist hier kein Rückzug aus dem Gespräch, sondern die Bedingung dafür, Dröschers Wohlwollen ohne Selbstverlust aufrechtzuerhalten. Sie schützt den inneren Spielraum, in dem das eigene Ego zurücktreten kann, ohne dass die eigene Stimme verstummt (Dröscher, 2026; Hartdegen, 2026).

Von hier aus ziehen sich gerade Linien zu allen übrigen Bestandteilen dieses Beitrags. Dröschers hermeneutischer Vorschuss ist die fünfte Gewohnheit Coveys in der Sprache der Literatur: Das empathische Zuhören, das die Weltsicht des Gegenübers erfasst, ist das Wohlwollen, das die Verbindung vor dem Unterschied sucht. Ihre Bereitschaft zum Missverstehen ist die kommunikative Schwester der praemeditatio malorum: Wer das Missverständnis als Möglichkeit einkalkuliert, wird von ihm nicht überrollt, sondern vorbereitet. Ihre Forderung nach emotionaler Bildung findet in der Kognitiven Verhaltenstherapie ihr systematisch ausgearbeitetes Pendant und in der Ekpathie ihre abgrenzende Ergänzung: Gefühle werden wahrgenommen und ernst genommen, aber weder mit Tatsachen verwechselt noch ungeprüft übernommen. Dröschers Mündigkeit verlangt deshalb beides: empathische Offenheit für die Stimme des Gegenübers und ekpathische Standfestigkeit gegenüber fremden Bewertungen. Und ihr Diktum, dass das eigene Ego zurücktreten muss, damit Sprechen verbinden kann, ist keine Aufforderung zur Selbstaufgabe, sondern zur Kooperation aus einem gesicherten inneren Standpunkt heraus. Die literarische Ethik des Gesprächs, die stoische Arbeit am Urteil und das Wechselspiel von Einfühlen und Ausfühlen erweisen sich bei näherem Hinsehen als drei Beschreibungen ein- und derselben Haltung (Dröscher, 2026; Hartdegen, 2026).

Die folgende Grafik soll dies veranschaulichen:


 

5. Coveys praktische Weisheit: Erst verstehen, dann verstanden werden

Wo die klassische Theorie das Rätsel beschreibt, liefert Stephen Covey das praktische Handwerkszeug, und dies in einer Tiefe, die mit der stoischen Landkarte erstaunlich übereinstimmt. Coveys fünfte Gewohnheit, die er auf die knappe Formel bringt, man solle zuerst verstehen und dann verstanden werden, ist im Kern eine stoische Regel (Covey, 2020). Covey kritisiert, dass die meisten Menschen nicht zuhören, um zu verstehen, sondern zuhören, um zu antworten. Sie hören die Worte des Gegenübers durch den Filter der eigenen Biografie und antworten aus dieser Biografie heraus, ehe sie auch nur versucht haben, den Standpunkt des Gegenübers in dessen innerer Logik zu verstehen. Covey empfiehlt stattdessen das empathische Zuhören, das die Gesprächspartnerin nicht nur in ihren Worten, sondern in ihrer Weltsicht erfasst. Wer verstanden worden ist, so Coveys Beobachtung, entledigt sich des emotionalen Drucks und wird erst empfänglich für die Sicht des Gegenübers.

Die Übereinstimmung mit Epiktet ist unüberhörbar: Die Worte des Gegenübers sind nicht in unserer Macht, aber das Bemühen, sie zu verstehen, ist es. Wer zuerst verstehen will, setzt das eigene Urteil vorläufig aus, und genau dieses vorläufige Aussetzen des Urteils ist die stoische Kernoperation. Damit vollzieht das empathische Zuhören zugleich jenen hermeneutischen Vorschuss, den Daniela Dröscher als Wohlwollen beschreibt: Die eigene Lesart bleibt vorläufig, bis das Gegenüber sie bestätigt, korrigiert oder präzisiert hat.

Coveys empathisches Zuhören gewinnt durch Ekpathie eine notwendige Ergänzung. Wer die Weltsicht des Gegenübers nachvollzieht, muss dessen Ärger, Angst oder Enttäuschung nicht übernehmen. Empathie ermöglicht Verstehen; Ekpathie hält die Grenze zwischen wahrgenommenem Fremdgefühl und eigenem Erleben aufrecht. Im Sinne von Hartdegen (2026) wirkt sie dabei wie ein Filter des leitenden Verstandes: Die Gefühle anderer werden als äußere Tatsachen anerkannt, während das eigene Urteil und die eigene Reaktion in der persönlichen Verantwortung verbleiben. Gerade diese Grenze ermöglicht eine Antwort, die weder defensiv noch gefühllos ist.

Auch Coveys vierte Gewohnheit, das Denken im Sinne des beiderseitigen Gewinns, und sein Konzept des Charakters als Grundlage erfolgreicher Kommunikation lassen sich stoisch lesen. Covey argumentiert, dass dauerhaftes Vertrauen nicht aus Techniken resultiert, sondern aus einem verlässlichen Charakter, der sein Wort hält, Absichten offenlegt und dem Gegenüber denselben Respekt entgegenbringt wie sich selbst. Ein solcher Charakter ist in stoischen Kategorien nichts anderes als Tugend, verstanden als dauerhafte Verlässlichkeit der prohairesis. Das Streben nach beidseitigem Gewinn wiederum entspricht der stoischen Überzeugung, dass die Vernunft aller Menschen eine gemeinsame ist und dass das Gegenüber nicht Gegnerin oder Gegner, sondern Mitstreiterin oder Mitstreiter in einem gemeinsamen vernünftigen Weltzusammenhang ist. Covey gibt damit der stoischen Kommunikationsethik eine moderne, betriebsame und gut trainierbare Gestalt.

 

6. Die Kognitive Verhaltenstherapie: Die Münzprüfung im modernen Gewand

Die vielleicht erstaunlichste Bestätigung erfährt der Stoizismus durch die Kognitive Verhaltenstherapie. Ihre Grundeinsicht, dass zwischen Ereignissen, Bewertungen, Gefühlen und Verhalten enge Wechselwirkungen bestehen, weist deutliche strukturelle Parallelen zur stoischen Arbeit am Urteil auf. Die historische Verbindung zwischen Stoizismus und kognitiven Therapieansätzen ist vielfach herausgearbeitet worden, ohne dass die moderne Kognitive Verhaltenstherapie deshalb mit der antiken Stoa gleichgesetzt werden könnte (Robertson, 2020). Die Therapieforschung hat sie zugleich zu einem wissenschaftlich geprüften Behandlungsverfahren ausgearbeitet (Cuijpers et al., 2023; Hautzinger, 2025).

Die Kognitive Verhaltenstherapie unterscheidet zwischen der Situation, den automatischen Gedanken, die einer Person in dieser Situation durch den Kopf gehen, den daraus entstehenden Gefühlen und den daraus folgenden Verhaltensweisen. Sie hat dabei einen ganzen Katalog verzerrter Denkmuster beschrieben, die auch das kommunikative Leben systematisch vergiften: die willkürliche Schlussfolgerung, bei der aus einem knappen Ton sofort eine Ablehnung geschlossen wird. Die Übergeneralisierung, bei der ein einziges missratenes Gespräch zu dem Urteil führt, man werde ohnehin nie verstanden. Das Katastrophisieren, bei dem eine unbeantwortete Nachricht zur Gewissheit wird, das Gegenüber habe einen aufgegeben. Das personalisierende Denken, bei dem die schlechte Laune des Gegenübers als Vorwurf gegen die eigene Person gelesen wird. Und das Denken in unversöhnlichen Gegensätzen, das keine Abstufungen kennt und jedes Gespräch zu einem Kampf macht, den es nur als Sieg oder Niederlage geben kann.

Alle diese Verzerrungen sind in stoischen Begriffen nichts anderes als vorschnelle, ungeprüfte Urteile über Dinge, die nicht in unserer Macht stehen. Das zentrale Instrument der Kognitiven Verhaltenstherapie ist daher der sokratische Dialog: Therapeutin oder Therapeut und Klientin oder Klient prüfen gemeinsam die Evidenz für und gegen einen automatischen Gedanken, formulieren alternative, ausgewogenere Bewertungen und verändern diese Bewertungen schrittweise (Hautzinger, 2025). Dies ist exakt jene Arbeit am Urteil, die Epiktet mit dem Bild des Geldwechslers beschreibt, der jede Münze prüft, ehe er sie annimmt, und die Marc Aurel jeden Abend an sich selbst vollzieht. Wer vor dem inneren Auge die Frage hält, ob das, was er über die Worte des Gegenübers denkt, wirklich zutrifft, oder ob es nur die erste, ungeprüfte Lesart war, praktiziert das, was die stoische Schule als geistige Übung verstand und was heute kognitive Umstrukturierung heißt. Kommunikation wird damit zum fortwährenden Feld kleiner, prüfbarer Urteile, und das Rätsel ihres gelegentlichen Misslingens verliert seinen Schrecken, weil es zum Gegenstand nüchterner Selbstbeobachtung wird. Dröschers Forderung nach emotionaler Bildung, eigene Affekte wahrzunehmen, ohne sie vorschnell mit der Wahrheit über das Gegenüber gleichzusetzen, findet in dieser Unterscheidung ihr klinisch ausgearbeitetes Gegenstück.

An dieser Stelle ist jedoch eine differenzierende, klinische Grenzziehung unerlässlich: Die Verfahren der Kognitiven Verhaltenstherapie sind keine philosophischen Alltagsratgeber, sondern professionelle psychologische Instrumente. Sie erfordern eine präzise Indikationsstellung und eine sorgfältige Diagnostik, und bei schwerer oder anhaltender Belastung, etwa bei depressiven Episoden, Angststörungen oder eskalierenden Beziehungskonflikten, ist eine fachkundige psychotherapeutische Begleitung der Weg der Wahl. Die Übungen dieses Beitrags sind Lebenskunst, nicht Therapie. Sie ersetzen keine Behandlung, können aber eine begonnene Behandlung sinnvoll begleiten.

 

7. Die aktuelle empirische Beweislage: Was die Forschung trägt und was noch nicht

Ein Teil der hier relevanten Annahmen ist heute empirisch untersucht. Die Befundlage ist allerdings je nach Gegenstand sehr unterschiedlich: Für die Kognitive Verhaltenstherapie und einzelne Mechanismen der Emotionsregulation ist sie wesentlich breiter als für moderne stoische Trainingsprogramme.

Zur Wirksamkeit der kognitiven Arbeit am Urteil liegt die bislang umfassendste Metaanalyse vor, die 409 randomisierte Studien mit 52.702 Patientinnen und Patienten umfasst und die Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie gegenüber Kontrollbedingungen, anderen Psychotherapien und Pharmakotherapien bestätigt (Cuijpers et al., 2023). Eine aktuelle transdiagnostische Metaanalyse zeigt zudem, dass die Kognitive Verhaltenstherapie genau jene sich wiederholenden negativen Denkprozesse reduziert, die auch das kommunikative Misslingen antreiben: Grübeln, Sorgen und repetitives negatives Denken (Stenzel et al., 2025). Die Metaanalyse von Webb et al. (2012) belegt für verschiedene Emotionsregulationsstrategien, dass die kognitive Neubewertung kleine bis mittlere Effekte aufweist und in den untersuchten Vergleichen stärker ausfällt als die bloße Modulation emotionaler Reaktionen. Damit ist sie für die hier beschriebene Arbeit am Urteil besonders anschlussfähig, ohne dass daraus eine pauschale Rangfolge aller Strategien abgeleitet werden sollte.

Zur Wirksamkeit stoischer Übungen selbst ist die Studienlage deutlich jünger. Eine Mixed-Methods-Untersuchung, die quantitative und qualitative Methoden verband, untersuchte ein auf der Stoa basierendes Training für Medizinstudierende und fand Hinweise auf gestärkte Resilienz und Empathie. Besonders die Praxis der negativen Visualisierung wurde von den Teilnehmenden als hilfreich für die Vorbereitung auf schwierige Situationen beschrieben und stand in den qualitativen Ergebnissen mit Selbstwirksamkeit und Planungskompetenz in Verbindung (Brown et al., 2022). Ein aktueller Scoping Review über Stoizismus in Pflege- und Gesundheitsberufen fasst die bisherige Studienlage positiv, fordert aber weitere kontrollierte Interventionsstudien (Boostani et al., 2025). Eine randomisierte, wartelistenkontrollierte Studie untersuchte ein zweiwöchiges Onlineprogramm mit stoischen Übungen in einer nicht klinischen Stichprobe von 56 Personen in der Trainingsgruppe und 63 Personen in der Wartelistenkontrolle. Die Ergebnisse weisen auf mögliche Verbesserungen bei Erfahrungsvermeidung und depressiven Symptomen sowie auf zeitlich verzögerte Verbesserungen bei Angstsymptomen hin. Die Autorin betont zugleich den Bedarf an längeren Interventionen und aktiven Kontrollgruppen (King, 2025). Ergänzend wurde mit der Stoic Attitudes and Behaviours Scale ein Instrument entwickelt und validiert, das stoische Einstellungen und Verhaltensweisen differenzierter erfassen soll und das philosophische Selbstverständnis ausdrücklich von der umgangssprachlichen Variante trennt (LeBon et al., 2026).

Und eine für die Übungspraxis entscheidende Warnung: Eine große Studie zeigt, dass die umgangssprachliche, missverstandene Stoa, also Gefühlsunterdrückung und innere Taubheit, mit niedrigerem Wohlbefinden korreliert, während die philosophisch verstandene Stoa als Lebenshaltung etwas anderes ist (Karl et al., 2022). Diese begriffliche Differenz ist empirisch bedeutsam und trägt die gesamte Interpretation der Befunde: Geprüft wird das Urteil, nicht weggedrückt das Gefühl. Die Übungen dieses Beitrags zielen ausdrücklich auf die geprüfte, gelebte Philosophie und nicht auf die Gefühlskälte des umgangssprachlichen Verständnisses.

 

8. Fallsituation: Das misslungene Projektmeeting

Um das Zusammenspiel der verschiedenen Perspektiven zu zeigen, sei eine Fallsituation erzählt, die in unterschiedlichen Varianten in beruflichen Besprechungen vorkommen kann. Das folgende Beispiel ist durchgehend fiktiv und dient ausschließlich der Veranschaulichung.

Frau Berger, Projektleiterin eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens, leitet am Montagvormittag ein Projektmeeting. Der Zeitdruck ist spürbar. In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Arbeitsschritte verschoben, die Geschäftsführung erwartet dennoch einen belastbaren Zwischenstand, und die nächste Abstimmung mit der Fertigung steht bereits an. Frau Berger hat deshalb eine Präsentation vorbereitet, in der sie die nächsten Projektphasen, Zuständigkeiten und Termine strukturiert darstellen möchte. Im Raum sitzen unter anderem mehrere Mitarbeitende aus Entwicklung und Fertigung.

Nach etwa fünf Minuten unterbricht Herr Sanwald, ein erfahrener Konstrukteur, ihre Ausführungen. Er sagt: „Das ist alles schon wieder viel zu theoretisch. Man weiß am Ende nie, was davon konkret bei der Fertigung ankommt." Der Ton ist knapp. Ob Sanwald damit tatsächlich Frau Bergers Kompetenz infrage stellen will, bleibt offen. Seine Äußerung enthält zunächst eine Sachkritik, möglicherweise verbunden mit einer eigenen Sorge um die praktische Umsetzung. Seine tatsächliche Absicht kann Frau Berger in diesem Moment nicht sicher wissen.

Frau Berger spürt unmittelbar eine körperliche Reaktion. Der Kehlkopf zieht sich zusammen, die Schultern verspannen sich, und sie bemerkt einen kurzen Impuls, sich rechtfertigen zu müssen. Fast gleichzeitig entsteht ein Gedanke: „Er untergräbt mich vor dem ganzen Team." Darauf folgen weitere, noch zugespitztere Deutungen: „Er hält mich für inkompetent." „Das ist ein Angriff auf meine Rolle." „Wenn ich das jetzt stehen lasse, verliere ich die Kontrolle über das Meeting."

Bemerkenswert ist, dass zwischen Sanwalds tatsächlich geäußerten Worten und diesen Gedanken bereits mehrere Verarbeitungsschritte liegen. Sanwald hat die Planung als zu theoretisch bezeichnet und die praktische Anschlussfähigkeit zur Fertigung infrage gestellt. Daraus macht Frau Berger innerhalb weniger Sekunden eine Aussage über ihre Person, ihre Kompetenz und ihre Führungsrolle. Das ursprüngliche Ereignis und seine Bedeutung sind damit nicht mehr dasselbe.

Frau Berger antwortet scharf: „Man kann die Planung schlecht einfach weglassen. Oder wollen Sie lieber völlig ungeplant arbeiten?" Sanwald lehnt sich zurück und verschränkt die Arme. Frau Berger deutet auch diese Körperhaltung sofort als Bestätigung ihrer Annahme: „Jetzt macht er erst recht dicht." Sanwald wiederum erlebt ihre Antwort möglicherweise als persönlichen Gegenangriff. Auch das ist eine Annahme, von der Frau Berger nicht wissen kann, ob sie zutrifft. Die ursprüngliche Sachfrage, nämlich wie die Planung so konkret gestaltet werden kann, dass sie für die Fertigung tatsächlich nutzbar wird, gerät dadurch in den Hintergrund.

Im weiteren Verlauf wird das Gespräch zunehmend vorsichtig. Zwei Mitarbeitende, die eigentlich noch Fragen zur technischen Umsetzung hatten, verzichten darauf, sich einzuschalten. Die Diskussion verschiebt sich von der Sach- auf die Beziehungsebene. Am Ende ist das Meeting formal beendet, aber das eigentliche Problem ist ungelöst. Frau Berger geht mit dem Gefühl aus dem Raum, sich gegen einen Angriff behauptet zu haben. Sanwald könnte aus seiner Sicht zu dem Schluss gekommen sein, dass praktische Einwände in diesem Projekt nicht erwünscht sind. Beide Seiten verlassen das Gespräch also möglicherweise mit einer jeweils anderen Geschichte darüber, was gerade geschehen ist. Damit bestätigt sich in der Fallsituation auf beiden Seiten, was die Theorie als Mitkonstruktion der empfangenden Person beschreibt: Bedeutung wird nicht einfach übertragen, sondern von jeder Seite neu erzeugt (Watzlawick, 1976). Bemerkenswert ist zudem, dass das Meeting genau jene beiden Bedingungen versammelt, welche die Forschung zur E-Mail-Kommunikation als Risikofaktoren identifiziert hat, ein angespanntes Kommunikationsklima und hierarchisch abhängige Konstellationen (Sillars & Zorn, 2021). Und die beiden Mitarbeitenden, die ihre Fragen zurückhalten, führen zusätzlich vor, dass sich das Klima eines misslingenden Gesprächs nicht nur auf die unmittelbar Beteiligten erstreckt.

Aus Sicht der Kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich bei Frau Berger mehrere typische Denkfehler erkennen. Sie personalisiert die Kritik, weil sie eine sachbezogene Äußerung unmittelbar auf ihre Person bezieht. Sie zieht eine Schlussfolgerung, für die zunächst keine ausreichende Evidenz vorliegt, wenn sie aus dem Einwand eine gezielte Untergrabung ihrer Rolle ableitet. Außerdem enthält ihre Deutung ein katastrophisierendes Moment, weil aus einer kritischen Bemerkung unmittelbar die Befürchtung entsteht, die Kontrolle über das gesamte Meeting zu verlieren. Entscheidend ist dabei nicht, dass ihre Gefühle „falsch" wären. Die Verärgerung und die körperliche Anspannung sind reale Erfahrungen. Problematisch wird die ungeprüfte Gleichsetzung von Gefühl und Interpretation. Genau diese Gleichsetzung ist es, die Daniela Dröscher mit ihrer Forderung nach emotionaler Bildung zu überwinden hilft: eigene Affekte wahrnehmen, ohne sie vorschnell mit der Wahrheit über das Gegenüber gleichzusetzen (Dröscher, 2026).

In der Sprache Schulz von Thuns könnte Frau Berger die Äußerung fast ausschließlich auf der Beziehungsebene hören. Dann lautet die Botschaft für sie nicht mehr: „Ich sehe ein praktisches Problem in der Planung", sondern: „Du kannst deine Aufgabe nicht richtig." Ob Sanwald diese Beziehungsaussage tatsächlich vermitteln wollte, bleibt offen. Gerade diese Unsicherheit macht eine Rückfrage so wichtig.

In der Sprache Epiktets hat Frau Berger ein äußeres Ereignis, nämlich die Worte eines Kollegen, mit einem ungeprüften Urteil versehen und dieses Urteil anschließend wie eine Tatsache behandelt. Die stoische Übung bestünde nicht darin, sich einzureden, Sanwalds Bemerkung sei harmlos gewesen. Sie bestände darin, zwischen dem sicher Beobachtbaren und der eigenen Deutung zu unterscheiden. Sicher beobachtbar ist: Sanwald hat die Planung als zu theoretisch bezeichnet und nach ihrer praktischen Bedeutung für die Fertigung gefragt. Nicht sicher beobachtbar ist, ob er Frau Berger bloßstellen, sie für inkompetent halten oder ihre Führungsrolle untergraben will.

Auch Coveys Grundsatz „erst verstehen, dann verstanden werden" erhält hier eine konkrete Bedeutung. Frau Berger hätte zunächst versuchen können, die hinter dem Einwand liegende Sorge zu verstehen, statt ihre eigene Verteidigung vorzubereiten. Eine mögliche Antwort wäre gewesen: „Wenn ich Sie richtig verstehe, sorgen Sie sich darum, dass unsere Planung am Ende nicht konkret genug für die Fertigung wird. Können Sie mir sagen, was Ihnen im Moment konkret fehlt?"

Diese Frage verändert die Gesprächssituation, ohne Frau Berger zur Selbstaufgabe zu zwingen. Sie muss Sanwalds Kritik nicht akzeptieren. Sie prüft zunächst, was er tatsächlich meint. Sanwald könnte daraufhin erklären, dass die letzten beiden Projekte erst nachträglich an die Fertigungsabläufe angepasst werden mussten und dass er diesmal frühzeitig klären möchte, welche technischen Vorgaben in die Planung aufgenommen werden müssen. Erst an diesem Punkt wäre die eigentliche Sachfrage sichtbar geworden. In Dröschers Sprache wäre diese Rückfrage ein Akt des Wohlwollens gewesen: Frau Berger hätte ihre Lesart vorläufig gehalten und Sanwald die Gelegenheit gegeben, sie zu berichtigen oder zu entkräften.

Wichtig ist dabei: Das ist nur eine mögliche Fortsetzung der Fallsituation. Es wäre nicht seriös, Sanwalds tatsächliche Motivation im Nachhinein als bekannt zu behandeln. Die kommunikative Übung besteht gerade darin, diese Unsicherheit auszuhalten und durch eine Rückfrage zu reduzieren. Frau Berger hätte damit eine Information gewonnen, die sie durch ihre erste Interpretation nicht erhalten konnte. Das Team hätte zugleich erlebt, dass kritische Einwände nicht automatisch als persönlicher Angriff behandelt werden.

Der entscheidende Unterschied läge deshalb nicht darin, dass Frau Berger plötzlich „gelassen" wäre. Sie könnte weiterhin Ärger, Enttäuschung oder Unsicherheit empfinden. Der Unterschied bestünde in der Reihenfolge: erst wahrnehmen, dann die eigene Deutung als vorläufig erkennen, dann prüfen, dann verstehen und erst anschließend antworten. Genau an dieser Stelle treffen sich die stoische Arbeit am Urteil, die kognitive Neubewertung und Coveys verstehendes Zuhören.

Die Szene lässt sich deshalb auch als Balanceproblem zwischen Einfühlen und Ausfühlen lesen. Empathisch wäre es, wenn Frau Berger die mögliche Sorge Sanwalds um die praktische Umsetzbarkeit ernst nimmt. Ekpathisch wäre es, seinen knappen Ton und seine mögliche Anspannung nicht als eigenen Gefühlsauftrag zu übernehmen. Sie könnte seine Perspektive verstehen, ohne sich mit ihr zu identifizieren, und ihre eigene Verärgerung wahrnehmen, ohne aus ihr sofort eine Verteidigungshandlung abzuleiten. Eine kurze gedankliche Pause würde dabei jene Trennung ermöglichen, die Hartdegen (2026) hervorhebt: Sanwalds Stimmung und Absicht liegen nicht in Frau Bergers Macht; ihr Urteil, ihre Rückfrage und ihre Reaktion dagegen schon. Erst das Zusammenspiel beider Fähigkeiten schafft jene ruhige Zugewandtheit, in der Sachklärung möglich wird.

 

9. Praktische Übungen: Das stoische Kommunikationstraining im Alltag

Die folgenden Übungen sind so angelegt, dass sie ohne Vorkenntnisse, ohne Hilfsmittel und mit vertretbarem Zeitaufwand in den Alltag eingebaut werden können. Sie alle folgen demselben Prinzip: Sie trainieren die Unterscheidung zwischen dem, was in unserer Macht steht, und dem, was nicht in unserer Macht steht, und sie verlagern die Aufmerksamkeit vom äußerlichen Gelingen der Kommunikation auf die Qualität der eigenen Urteile und des eigenen Sprechens. Damit entsprechen sie genau jener Strategie, für die die umfassende Metaanalyse zur Emotionsregulation die stärksten Effekte findet, der Neubewertung statt der Unterdrückung (Webb et al., 2012), und jener stoischen Praxis, deren Trainierbarkeit erste Interventionsstudien belegen (Brown et al., 2022; King, 2025). Wer alle Übungen beherrscht, verfügt über ein zusammenhängendes Training, das die Theorien Epiktets, Marc Aurels, Schulz von Thuns, Coveys und der Kognitiven Verhaltenstherapie in eine wöchentliche, ja tägliche Praxis überführt. Zugleich machen sie Dröschers Ethik des Gesprächs handhabbar, denn Wohlwollen, Pausen und die Bereitschaft zum Missverstehen verwandeln sich in ihnen in wiederholbare Handgriffe.

 

Übung 1: Das abendliche Urteilstagebuch

Diese Übung ist die einfachste und wichtigste von allen, und sie sollte mindestens drei Wochen lang täglich durchgeführt werden, denn sie bildet das Fundament aller anderen Übungen. Ihr Ursprungsgedanke stammt unmittelbar von Marc Aurel, der jede Nacht sein eigenes Urteilen durchging, und von Seneca, der beschrieb, wie er vor dem Schlafengehen den Tag vor seinem inneren Gericht verhandeln ließ (Marc Aurel, ca. 170 n. Chr./2008; Seneca, ca. 65 n. Chr./2020, Brief 83). Die Kognitive Verhaltenstherapie hat dieses nächtliche Selbstgespräch zum Gedankenprotokoll ausgebaut (Hautzinger, 2025), und genau davon lebt die Übung: Sie macht sichtbar, was sonst unsichtbar im Hintergrund des Alltagserlebens wirkt, nämlich die stillen Urteile, die wir über die Worte und das Verhalten unserer Mitmenschen fällen, ohne es zu bemerken.

Die Durchführung ist einfach, verlangt aber Verlässlichkeit. Nehmen Sie sich jeden Abend zehn Minuten Zeit, am besten an einem festen Ort und zu einer festen Uhrzeit, etwa nach dem Abendessen, und legen Sie ein Notizheft an, das ausschließlich dieser Übung dient. Das Heft selbst ist wichtig, denn die physische Spur des Schreibens verlangsamt das Denken und verleiht den flüchtigen Gedanken eine Gestalt, die man prüfen kann. Notieren Sie in drei Spalten. In die erste Spalte kommt die Situation, also das kommunikative Ereignis des Tages, das Sie am meisten beschäftigt hat, wörtlich und knapp, etwa: „Die Kollegin hat meine Frage im Meeting ignoriert", oder: „Die Führungskraft hat mein Konzept nur mit einem knappen ‚Das reicht so' abgetan." Wichtig ist, dass Sie hier eine Situation wählen, die noch eine emotionale Spur hinterlassen hat, denn nur an emotional aufgeladenen Situationen lässt sich das eigene Urteilswesen wirklich studieren.

In die zweite Spalte kommt Ihr automatischer Gedanke in genau den Worten, die damals in Ihnen aufstiegen. Hier ist wörtliche Treue entscheidend: Schreiben Sie nicht die vernünftige Fassung, die Sie jetzt, am Abend, über die Sache haben, sondern die drastische erste Fassung, die unmittelbar aufstieg, etwa: „Sie hält mich für unwichtig und macht mich vor allen klein." Diese erste Fassung ist das eigentliche Studienobjekt der Übung, denn sie zeigt die Urteilsmaschine im Rohzustand. Häufig zeigt sich dabei, dass automatische Gedanken zugespitzter, kränkender oder absoluter formuliert sind als die später reflektierte Einschätzung. Genau diese Differenz ist für die Selbstbeobachtung aufschlussreich.

In die dritte Spalte kommt die stoische Prüfung, die sich in zwei Fragen gliedert. Die erste Frage lautet: Welche Beweise sprechen für diesen Gedanken, und welche dagegen? Gehen Sie die Evidenz so nüchtern durch wie eine Richterin, die kein Interesse am Ausgang hat. Prüfen Sie, welche konkreten Beobachtungen tatsächlich für den Gedanken sprechen und welche alternativen Erklärungen ebenfalls möglich sind. Das Verhalten der Kollegin kann mit Ablehnung zusammenhängen, aber ebenso mit Müdigkeit, geistiger Abwesenheit oder eigenem Zeitdruck. Die zweite Frage lautet: Welcher Teil dieser Situation steht in meiner Macht, und welcher nicht? Hier sortieren Sie das Ereignis nach der Dichotomie Epiktets: Die Worte der Kollegin, ihre Miene, die Reaktion der anderen Teilnehmenden, all das ist nicht meines. Mein Urteil darüber, meine nächste Frage an sie, meine Bereitschaft, die Sache zu klären, all das ist meines. Schließen Sie jede Eintragung mit einem formulierten Satz ab, der die geprüfte, ausgewogenere Bewertung festhält, etwa: „Sie war abwesend. Ob sie mich schätzt, weiß ich nicht, und ich kann es morgen fragen." Diese Prüfung ist keine bloße Beruhigung. Kognitive Neubewertung ist eine empirisch untersuchte Form der Emotionsregulation (Webb et al., 2012), und die Kognitive Verhaltenstherapie kann repetitives negatives Denken wie Grübeln und Sorgen wirksam reduzieren (Stenzel et al., 2025).

Das Ziel der Übung ist nicht, den automatischen Gedanken zu verdammen oder sich für ihn zu schämen, sondern ihn als das zu erkennen, was er ist: als erste, ungeprüfte Münze. Epiktet empfahl seinen Schülerinnen und Schülern, jede Meinung so zu prüfen, wie ein Geldwechsler jede Münze auf Echtheit ansieht, ehe er sie annimmt (Epiktet, ca. 108 n. Chr./2014). Nach drei Wochen werden Sie bei den meisten Eintragungen ein Muster erkennen, etwa dass Sie vor allem Beziehungsurteile kippen, also bei knappen Antworten schnell auf Ablehnung schließen, oder dass Sie vor allem bei Autoritätspersonen katastrophisieren. Wenn Sie dieses Muster benennen können, haben Sie den Hebel gefunden, an dem Ihre weitere Übung ansetzen kann. Von nun an genügt es, dieses eine Muster mit Aufmerksamkeit zu begleiten, und Sie werden im Tagesverlauf bereits vor dem abendlichen Eintrag bemerken, wenn die Urteilsmaschine wieder anspringt. Die Übung hat dann ihren eigentlichen Zweck erfüllt: Sie hat das stille, automatische Urteilen in ein lautstarkes, prüfbares verwandelt.

 

Übung 2: Das vorläufige Urteil: Die Münzprüfung im Gespräch

Das abendliche Tagebuch arbeitet nachträglich. Die eigentliche Kunst besteht darin, die Prüfung in den Moment des Gesprächs selbst zu verlegen. Epiktet hat dafür das Bild des Geldwechslers geliefert, der jede Münze prüft, ehe er sie annimmt. Übertragen auf die Kommunikation lautet die Regel: Prüfe jedes Urteil über die Worte eines anderen Menschen, ehe du es als Wahrheit annimmst.

Die Durchführung ist eine reine Aufmerksamkeitsübung und verlangt kein Werkzeug außer einem inneren Satz. Sobald Sie in einem Gespräch bemerken, dass sich in Ihnen ein deutliches Urteil formiert („Diese Person ist arrogant", „Die Führungskraft hält mich für unfähig"), wiederholen Sie innen einen einzigen Satz: „Das ist vorläufig." Damit vollziehen Sie die Kernoperation der Stoa in Echtzeit: Sie setzen das erste Urteil nicht außer Kraft, aber Sie nehmen ihm die Endgültigkeit. Ein als vorläufig markiertes Urteil verliert seine Macht, Ihr Verhalten unmittelbar zu steuern, und öffnet einen Zwischenraum, in dem eine Rückfrage möglich wird.

Trainieren Sie diese Übung zunächst in niedrigschwelligen Situationen, etwa in lockeren Besprechungen. Zählen Sie am Abend die Momente, in denen Sie ein Urteil bewusst als vorläufig markiert haben. Entscheidend ist nicht eine bestimmte Zahl von Anwendungen, sondern dass Sie den inneren Abstand zwischen Wahrnehmung, Bewertung und Antwort zunehmend bemerken. Wichtig ist dabei die richtige Form des Innehaltens: Die Übung verlangt ausdrücklich nicht, das Gefühl zu unterdrücken oder sich eine starre Gefühlskühle anzugewöhnen. Eine Untersuchung zu einer umgangssprachlich verstandenen „stoischen Ideologie" fand einen negativen Zusammenhang mit Wohlbefinden. Die Autorinnen und Autoren unterscheiden diesen Befund ausdrücklich von der philosophischen Stoa (Karl et al., 2022). Geprüft wird das Urteil, nicht weggedrückt das Gefühl.

 

Übung 3: Erst verstehen: Das Covey-Training der Rückfrage

Die dritte Übung trainiert Coveys fünfte Gewohnheit und verbindet sie mit dem Modell der vier Seiten von Schulz von Thun. Ihre Aufgabe besteht darin, in jeder Unterredung, die auch nur ansatzweise konfliktträchtig ist, die erste eigene Reaktion durch eine verstehende Rückfrage zu ersetzen.

Die Regel lautet: Bevor Sie einem Vorwurf, einer Kritik oder einer scharfen Bemerkung antworten, geben Sie zunächst die vermutete Selbstoffenbarung des Gegenübers zurück, und zwar in Form einer Frage. Etwa: „Wenn ich Sie richtig verstehe, sorgen Sie sich, dass bei der Umsetzung etwas verloren geht. Stimmt das?" oder: „Ich habe den Eindruck, dass Sie unter Zeitdruck stehen. Ist das der Kern?" Solche Sätze wirken auf den ersten Blick banal, sie vollziehen aber drei Dinge gleichzeitig: Sie holen die Sachebene zurück, auf die die Kritik möglicherweise zielte. Sie legen dem Gegenüber nahe, die eigene Sorge zu präzisieren. Und sie verschaffen Ihnen selbst die Zeit, in der Ihr automatisches Urteil geprüft werden kann, statt es unmittelbar in eine Antwort zu entladen. Gerade für die schriftliche Kommunikation ist die Gefahr einer negativen Überinterpretation dokumentiert (Sillars & Zorn, 2021). Eine verstehende Rückfrage kann im persönlichen Gespräch dazu beitragen, die erste Deutung zu überprüfen, bevor daraus eine Antwort entsteht. In der Sprache Daniela Dröschers gesprochen: Die Rückfrage ist der Versuch, im eigenen Hören präziser zu werden, bevor die Reizworte das Gespräch übernehmen (Dröscher, 2026; WDR 5, 2026). Sie ist damit die operationalisierte Form ihres Wohlwollens: Die eigene Lesart bleibt vorläufig, bis das Gegenüber sie bestätigt, korrigiert oder präzisiert hat.

Führen Sie in der Anfangszeit ein einfaches Strichprotokoll: einen Strich für jedes Gespräch, in dem Sie die Rückfrage eingesetzt haben, einen Kreis um den Strich, wenn die Rückfrage eine neue Information zutage gefördert hat, die Sie ohne sie nicht gehabt hätten. Die Kreise machen sichtbar, wann eine Rückfrage tatsächlich neue Informationen erschließt. Sie sind weniger als Leistungskennzahl gedacht, sondern als Hinweis darauf, wie häufig die erste eigene Lesart einer Situation noch ergänzungsbedürftig war.

Ergänzen Sie das Strichprotokoll um zwei kurze Fragen: „Was kann ich an der Lage des Gegenübers nachvollziehen?“ und „Welches Gefühl gehört dennoch nicht mir?“ Die erste Frage trainiert Empathie, die zweite Ekpathie. Hilfreich ist anschließend eine kurze Gedankenpause: Atmen Sie bewusst aus und formulieren Sie innerlich, welche Reaktion jetzt in Ihrer Macht liegt. So wird die Rückfrage nicht nur zu einem Instrument besseren Verstehens, sondern zugleich zu einer Übung in emotionaler Entkopplung. Ziel ist weder Verschmelzung noch Rückzug, sondern die von Hartdegen (2026) beschriebene flexible Balance, die Nähe zulässt und die eigene Urteilskraft schützt.

 

Übung 4: Die praemeditatio malorum für schwierige Gespräche

Die vierte Übung bereitet Gespräche vor, deren Schwierigkeit absehbar ist: das Feedbackgespräch mit einer angespannten Mitarbeitenden, die Verhandlung mit einer schwierigen Kundin oder einem schwierigen Kunden, die familiäre Aussprache, die schon länger aufgeschoben ist. Sie ist die kommunikative Anwendung der antiken Vorwegnahme des Schlimmsten, die Seneca empfiehlt, um vorhersehbaren Belastungen nicht unvorbereitet zu begegnen (Seneca, ca. 65 n. Chr./2020, Brief 13). Sie besteht aus fünf schriftlichen Schritten, die etwa zehn Minuten erfordern.

Schritt eins: Beschreiben Sie das Szenario des schlimmsten Falls knapp und konkret, also nicht die fernliegende Katastrophe, sondern die realistische ungünstigste Variante. Schritt zwei: Notieren Sie Ihre typische Reaktion auf dieses Szenario, die Gedanken, Gefühle und körperlichen Impulse, die bei Ihnen aufsteigen würden. Schritt drei: Entwickeln Sie konkrete Vorbereitungsstrategien in drei Dimensionen. Die praktische Dimension betrifft Unterlagen, Absprachen und den Zeitrahmen. Die mentale Dimension betrifft einen inneren Satz, der Sie durch den kritischen Moment trägt, sowie eine eingeübte Routine des bewussten Atmens oder Innehaltens. Die soziale Dimension betrifft die Frage, wer im Nachgang Ihre Ansprechperson sein kann, falls das Gespräch belastend verläuft. Schritt vier: Formulieren Sie die Haltung, die Sie im Gespräch einnehmen wollen, in einem einzigen Satz, etwa: „Was das Gegenüber sagt, ist nicht meines. Mein Zuhören ist meines." Schritt fünf: Unterscheiden Sie abschließend schriftlich, welcher Ausgang dieses Gesprächs in Ihrer Macht liegt und welcher nicht, und legen Sie den unverfügbaren Teil bewusst ab.

Die Übung verhindert nicht das schwierige Gespräch, aber sie nimmt ihm zwei Giftstoffe: die Schockwirkung des Überraschenden und die Improvisation unter Belastung. Wer das ungünstigste Szenario durchdacht und vorbereitet hat, tritt in das Gespräch wie jemand, der das Gelände kennt, nicht wie jemand, der es erstmals betritt. Für genau diese Form der Vorwegnahme sprechen die ersten empirischen Befunde: Die negativen Visualisierungen, die im stoischen Training der Medizinstudierenden untersucht wurden, förderten Selbstwirksamkeit und Planungskompetenz und wurden von den Teilnehmenden als persönlich wirksam beschrieben (Brown et al., 2022). In der Sprache Dröschers ist die praemeditatio zugleich die systematische Einübung jener Bereitschaft zum Missverstehen: Wer das ungünstigste Gespräch vorab durchdacht hat, muss nicht so tun, als sei Verständigung garantiert, und wird vom Missverständnis doch nicht überrascht (Hanser Berlin, 2026; WDR 5, 2026).

 

Übung 5: Der wöchentliche Rückblick der Beziehungsseite

Die fünfte Übung wendet sich dem zu, was Schulz von Thun die Beziehungsseite genannt hat, jener Ebene, auf der die meisten stillen Verstimmungen entstehen, weil eine Botschaft auf eine Beziehungsaussage hin gehört wird, die die sendende Person so nie gemeint hat. Einmal pro Woche, etwa freitags, gehen Sie drei Fragen schriftlich durch.

  • Frage eins: In welcher Begegnung dieser Woche habe ich eine Botschaft vor allem auf der Beziehungsseite gehört, und was wäre die Sachseite gewesen?

  • Frage zwei: In welcher Begegnung habe ich selbst etwas beigetragen, das beim Gegenüber leicht als Beziehungsaussage gelesen werden konnte, obwohl ich die Sache meinte?

  • Frage drei: Gibt es eine Kommunikation dieser Woche, die ich klären sollte, solange es leicht ist, und wenn ja, welche Rückfrage oder welches klärende Wort steht dafür an? Diese dritte Frage ist der praktische Schluss der Übung, denn die Stoa kennt keine Pflicht zur stummen Gelassenheit um jeden Preis.


Wer ein Missverständnis nüchtern benennt, solange es klein ist, übt eine Form von Aufrichtigkeit, die auf Klärung ohne Anklage zielt. Diese Aufrichtigkeit ist zugleich anschlussfähig an Dröschers Überlegungen zum präziseren Hören und zur Großzügigkeit gegenüber dem möglichen Missverständnis (Dröscher, 2026; WDR 5, 2026).

 

Übung 6: Die erhobene Stimme: Das Dröscher-Training des Sich-Zeigens

Alle bisherigen Übungen trainieren die hörende und urteilende Seite der Kommunikation. Die letzte Übung kehrt die Richtung um und wendet sich der sendenden Seite zu, denn Daniela Dröscher hat dem Rätsel Kommunikation eine Perspektive hinzugefügt, die in den Klassikern der Theorie fehlt: die der Person, die verstummt. Ihre eigene Sprechbiografie zwischen Hochdeutsch und Dialekt, zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss, hat ihr gezeigt, dass die Angst vor Blamage, Entlarvung oder Missverständnis Menschen zum Schweigen bringt und dass das Erheben der eigenen Stimme ein Akt der Mündigkeit ist (Dröscher, 2026; NDR Kultur, 2026; radioeins, 2026). Wer eine Frage zurückhält, einen Einwand verschluckt, ein Anliegen verschweigt, obwohl es wichtig ist, kommuniziert dabei nicht etwa weniger. Auch das Schweigen ist eine Botschaft, und ihre Deutung überlässt die schweigende Person dem Gegenüber (Watzlawick et al., 1969).

Die Ausgangsbeobachtung der Übung ist eine schlichte, aber selten geprüfte Frage: Wo schweige ich, obwohl ich sprechen will? Die meisten Menschen kennen ihre Schweigestellen nicht, denn das Zurückhalten geschieht so schnell, dass es gar nicht als Entscheidung erlebt wird. Die Übung macht diese Entscheidungen sichtbar und kehrt sie schrittweise um.

Die Durchführung verlangt etwa fünf Minuten am Abend und ein bis zwei bewusst geführte Momente in der Woche:

  • Schritt eins: Notieren Sie am Abend die Momente des Tages, in denen Sie einen Satz geschluckt haben, obwohl er Ihnen wichtig war, etwa die Frage im Meeting, die Ihnen riskant erschien, den Einwand gegen die Entscheidung der Führungskraft, das ausstehende Feedback an die Kollegin, die Bitte um mehr Ruhe. Schreiben Sie den Satz wörtlich auf, wie er Ihnen im Hals steckte, nicht in der geglätteten Fassung, und wählen Sie aus allen Eintragungen der Woche genau eine Situation aus, und zwar die kleinste Stufe: die Frage statt des Widerspruchs, die Rückmeldung statt der Abrechnung, die Bitte statt der Beschwerde.

  • Schritt zwei: Formulieren Sie diesen Satz abends in höchstens zwei knappen Sätzen neu, in einer Fassung, die Sie tatsächlich aussprechen könnten, ohne Verteidigungsvorwort und ohne eingebaute Rückzugsroute. Dröschers Einsicht, dass Sprechen immer auch Sich-Zeigen ist, erlaubt dabei, die eigene Betroffenheit mitzusprechen: „Mir ist wichtig, dass…" oder „Ich zögere, das zu sagen, aber…" sind keine Schwäche, sondern die Selbstoffenbarungsseite der Botschaft (Dröscher, 2026; Schulz von Thun, 1981).

  • Schritt drei: Sprechen Sie den Satz in der Folgewoche aus, und zwar in der vorbereiteten Fassung. Rechnen Sie von vornherein damit, dass er nicht glatt ankommt. Das ist die Bereitschaft zum Missverstehen, angewandt auf das eigene Sprechen. Wer stockt, darf innehalten, denn die Pause ist kein Scheitern, sondern Teil des Gesprächs (Hanser Berlin, 2026; WDR 5, 2026).


Nach dem Aussprechen folgt die stoische Nachbereitung, und sie ist der entscheidende Dreh der Übung: Welcher Teil war meines, und welcher nicht? Meines waren die Formulierung und das Aussprechen des Satzes. Nicht meines war, wie die Worte ankamen, welche Miene das Gegenüber machte, ob der Vorschlag angenommen wurde. Wer die erhobene Stimme an der Zustimmung anderer Menschen misst, verschenkt die gerade gewonnene Mündigkeit wieder an die fremde Bewertung. Das Ziel der Übung ist nicht der applaudierte Auftritt, sondern das gesprochene Wort: Es ist gesprochen, auch wenn es auf Widerspruch stößt, und gerade dann beweist es, dass die Angst vor dem Missverstandenwerden die Herrschaft verloren hat.


Führen Sie ein einfaches Protokoll in drei Spalten: der geschluckte Satz, der ausgesprochene Satz und nüchtern das, was danach geschah. Nach einigen Wochen zeigt dieses Protokoll meist zwei Dinge: Die befürchtete Blamage blieb zumeist aus, und wo eine unerfreuliche Reaktion des Gegenübers eintrat, war sie bei näherem Hinsehen eine Deutung, keine Tatsache, genau die Unterscheidung, die das abendliche Urteilstagebuch trainiert. Die Übung folgt damit einem der bestgeprüften Prinzipien der Verhaltenstherapie: Vermeidung entlastet für den Moment und vergrößert die Angst für die Zukunft. Das ausgesprochene Wort ist die einzige Form, in der die Angst vor dem Sprechen kleiner werden kann (Hautzinger, 2025).

Wer die eigene Stimme regelmäßig hebt, vollzieht schließlich Dröschers Emanzipationsprozess in kleinen Wiederholungen nach: von der schweigenden zur sprechenden Person. Das ist, mit ihrem Wort, Mündigkeit, und es ist zugleich die stoische Kernregel, angewandt auf die sendende Seite: Was ich sage, ist meines. Was die Welt daraus macht, ist es nicht.

 

10. Fazit: Das Rätsel als Aufgabe

Was bleibt vom Rätsel Kommunikation, wenn man es stoisch betrachtet?

Zunächst bleibt es ein Rätsel: Die Vermittlung zwischen Zeichen und Bedeutung bleibt fehlbar, die empfangende Person wirkt an der Konstruktion der Bedeutung mit, und das Missverständnis bleibt der ständige Begleiter jeder Verständigung. Die Stoa verspricht keine Abschaffung dieser Verfassung des Menschen. Sie verspricht etwas anderes: dass die Verfassung selbst nicht mehr als Bedrohung erlebt werden muss. Zwischen dem, was ein anderer Mensch sagt, und dem, was ich daraus mache, liegt das Urteil, und dieses Urteil ist das Einzige in allem Geschehen, das vollständig das meine ist. Wer diese Stelle gefunden hat, hat den Ort seiner Freiheit gefunden.

Die einzelnen Bestandteile dieses Beitrags fügen sich dabei zu einem einzigen Bild zusammen, und es lohnt sich, sie abschließend noch einmal aufeinander zu beziehen. Die Kommunikationstheorie des 20. Jahrhunderts, von Watzlawicks Axiom der Unmöglichkeit des Nichtkommunizierens über Schulz von Thuns vier Seiten einer Botschaft bis zu Bühlers Zeichenlehre, hat den Ort beschrieben, an dem die Freiheit liegt: die unvermeidliche Mitkonstruktion der Bedeutung durch die empfangende Person (Watzlawick, 1976).

Die Forschung zur digitalen Kommunikation hat die praktische Reichweite dieser Einsicht bestätigt und zugleich relativiert: Das Missverstehen ist ein reales, aber ungleich verteiltes Risiko, kein Naturgesetz (Pollmann & Roos, 2025; Sillars & Zorn, 2021).

Epiktet hat die Bruchlinie gezogen, auf der jede Botschaft liegt: Was das Gegenüber sagt, ist nicht meines. Was ich daraus mache, ist es. Marc Aurel hat die Münzprüfung jeden Abend vorgelebt, Seneca hat sie vorab geübt, die Kognitive Verhaltenstherapie hat sie zum sokratischen Dialog und damit zum Gegenstand empirisch geprüfter Behandlungsverfahren gemacht (Cuijpers et al., 2023; Stenzel et al., 2025), und Covey hat dieselbe Operation in das empathische Zuhören und das Denken im beiderseitigen Gewinn übersetzt. Daniela Dröscher schließlich hat der alten Bruchlinie von der literarischen Seite her ihre Gestalt gegeben: Aus der eigenen Sprechbiografie zwischen Hochdeutsch und Dialekt, zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss, hat sie gezeigt, dass Sprechen immer auch Sich-Zeigen ist und das Erheben der Stimme ein Akt der Mündigkeit. Ihr Missverständnis ist eher Regel als Ausnahme, ihre Bereitschaft zum Missverstehen kein Defätismus, sondern die Vorbedingung der Großzügigkeit, und ihr Wohlwollen ist ein hermeneutischer Vorschuss, der die eigene Lesart vorläufig hält, bis das Gegenüber sie bestätigt oder korrigiert (Dröscher, 2026; Hanser Berlin, 2026; WDR 5, 2026). Diese Mündigkeit und die stoische Freiheit des Urteils sind am Ende dieselbe Einsicht: Wer den eigenen Wert nicht mehr an der Zustimmung anderer Menschen misst, kann es sich leisten, großzügig zuzuhören.

Die empirische Forschung zu modernen stoischen Trainingsprogrammen ist demgegenüber noch deutlich kleiner und methodisch heterogener. Erste Studien berichten interessante Hinweise, zugleich wird weiterer Bedarf an kontrollierten Interventionsstudien deutlich (Boostani et al., 2025; Brown et al., 2022; King, 2025; LeBon et al., 2026). Die Befundlage erfordert dabei begriffliche Genauigkeit: Die empirischen Befunde zur sogenannten stoischen Ideologie dürfen nicht mit der philosophischen Stoa gleichgesetzt werden. Gerade die Unterscheidung zwischen Gefühlsunterdrückung und reflektierter Arbeit am Urteil ist für die Interpretation der Befunde entscheidend (Gill, 2022; Karl et al., 2022).

Die Fallsituation von Frau Berger hat gezeigt, dass diese Traditionen keine nebeneinander stehenden Kapitel sind, sondern in einem einzigen Gesprächsaugenblick aufeinandertreffen: Ihr automatischer Gedanke war ein ungeprüftes Urteil im Sinne Epiktets, ihre Deutungen waren die Verzerrungen, welche die Kognitive Verhaltenstherapie katalogisiert hat, ihr Hören lag einseitig auf der Beziehungsebene Schulz von Thuns, und die Rückfrage, die sie stellen könnte, wäre zugleich Coveys fünfte Gewohnheit, Dröschers Wohlwollen und die Münzprüfung des Geldwechslers. Die sechs Übungen haben dieselbe Einsicht in eine Praxis überführt, die keine Vorkenntnisse und keine Hilfsmittel verlangt: das abendliche Urteilstagebuch, die vorläufig markierte Münze, die verstehende Rückfrage, die Vorwegnahme des schwierigen Gesprächs, der wöchentliche Rückblick der Beziehungsseite und die erhobene eigene Stimme. Theorie, Fall und Training unterscheiden sich am Ende nur durch den Ort, an dem dieselbe Unterscheidung geübt wird: im Rückblick, im Augenblick oder in der Vorbereitung.

Empathie und Ekpathie bündeln diese Traditionen in einer weiteren Doppelbewegung. Empathie hält die Kommunikation menschlich, weil sie Perspektivübernahme, Resonanz und Wohlwollen ermöglicht. Ekpathie hält sie frei, weil sie fremde Gefühle nicht mit eigenen Wahrheiten verwechselt und die Selbstbestimmung im Beziehungsgefüge bewahrt. Hartdegens (2026) Hauptthese lautet deshalb, dass beide nicht als feindliche Kräfte, sondern als einander bedingende Pole eines integrierten Selbststeuerungssystems zu verstehen sind. Gelingende Kommunikation verlangt nicht möglichst viel Empathie, sondern regulierte Empathie: Einfühlen, ohne sich zu verlieren, und Ausfühlen, ohne sich zu verschließen. Die stoische Unterscheidung zwischen dem Eigenen und dem Nicht-Eigenen ist in diesem Sinn keine Absage an Mitgefühl, sondern seine Schutzform.

Von Dröscher her gewinnt diese Balance eine kommunikative Zuspitzung: Ekpathie bewahrt die Mündigkeit der sprechenden wie der hörenden Person. Sie erlaubt, sich mit der eigenen Stimme zu zeigen, ohne den eigenen Wert von der Reaktion des Gegenübers abhängig zu machen, und ermöglicht zugleich wohlwollendes Zuhören, ohne fremde Erregung, Kränkung oder Bewertung zum eigenen inneren Zustand werden zu lassen. So verstanden gehören Dröschers Mut zum Sprechen und ihre Großzügigkeit im Hören zusammen: Beide benötigen eine Grenze, die Beziehung ermöglicht, statt sie abzubrechen.

Vielleicht liegt hierin die eigentliche Pointe der stoischen Betrachtung der Kommunikation: Das Rätsel löst sich nicht, aber es wechselt den Besitzer. Aus einem Schicksal, das einem widerfährt, wird eine Aufgabe, die die eigene ist. Marc Aurel hat diesen Ort der Freiheit in dem Bild verdichtet, das er für den Menschen fand, der auf dem eigenen Urteil steht: Er ist frei wie ein Kaiser, der niemanden fürchten muss, weil das Einzige, was ihm wirklich genommen werden kann, niemals in der Macht eines anderen Menschen gelegen hat (vgl. Marc Aurel, ca. 170 n. Chr./2008).

Kommunikation, stoisch betrachtet, ist damit nicht vollständig eine Frage des Gelingens, sondern wesentlich eine Frage der Haltung. Missverständnisse bleiben möglich, ja, mit Dröscher, eher die Regel als die Ausnahme. Aber eine Regel, die man kennt, verliert ihre Macht.

Der entscheidende Spielraum liegt darin, zwischen dem Wort des Gegenübers und dem eigenen Urteil darüber zu unterscheiden und dem Gegenüber jenen großzügigen Vorschuss zu geben, ohne den Verständigung ohnehin nicht gelingt.

 

Düsseldorf, 02.10.2026

 

Karsten Hartdegen M.A.

 

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  • WDR 5. (2026, 31. August). Daniela Dröscher: „Sprechen" [Radiosendung mit Jürgen Wiebicke]. Das Philosophische Radio.

 

 
 
 

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